Immer mehr Erreger trotzen Antibiotika

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Die steigende Antibiotikaresistenz stellt eine Bedrohung für die Welt dar. Der häufige Einsatz der gegen Bakterien wirkenden Arzneien durch zu schnelle Verschreibung vom Arzt sowie in der Massentierhaltung hat immer gefährlichere Auswirkungen. Denn die Bakterien reagieren entsprechend, indem sie andere Wege finden oder sich verändern, um zu überleben.
Immer mehr Erreger trotzen Antibiotika

Jedes Jahr sterben mittlerweile viele Menschen an den Folgen. Nicht vorschnell um Antibiotika zu bitten, kann daher hilfreich sein und außerdem den Körper schonen. Auch ist vielen medizinischen Laien nicht bewusst, dass Antibiotika nicht gegen Viren wirken. Nicht zu unterschätzen ist außerdem die hohe Antibiotikagabe in der Massentierhaltung, da so Antibiotika in die Nahrungskette gelangen können.

Antibiotika stellen sowohl eine starke Waffe als auch eine schleichende Gefahr dar - nämlich wenn sie in zu häufigem Umfang eingesetzt werden. Dies ist bereits der Fall, denn immer mehr Erreger sind resistent gegen Antibiotika geworden, wie die WHO warnt. Damit sich die Situation nicht noch weiter verschlimmert, sind Ärzte, Tierzüchter und Patienten gefragt. Nur durch ein Umdenken und den verantwortungsbewussten Umgang mit der „Wunderwaffe“ ist ihre große Bedeutung für die Menschheit aufrechtzuerhalten.

Leichtfertiger Einsatz bei Mensch und Tier

Antibiotika werden von vielen Haus- und Kinderärzten noch immer zu leichtfertig verschrieben. Oftmals ist unklar, ob es sich bei dem Krankheitsbild des Patienten überhaupt um eine bakterielle Infektion handelt, denn der Aufwand eines entsprechenden Tests wird im Praxisalltag meist gemieden. Besonders häufig werden Antibiotika bei Mittelohr- und Mandelentzündungen verordnet, aber auch bei Bronchitis. Manche Patienten, die bei einer leichten Erkältung einfach nur schnell ihre Beschwerden loswerden möchten, nehmen bereitwillig die mit Antibiotika verbundenen Magen-Darm-Beschwerden in Kauf, um wieder schnell auf dem Damm zu sein. Jedoch sollten Antibiotika nicht das Mittel der ersten Wahl sein, sondern das letzte Mittel bei einem schweren Krankheitsverlauf.

Antibiotika gibt es allerdings nicht nur auf Rezept in der Apotheke, sondern auch beim Essen häufig gratis mit dazu. In der Massentierhaltung, insbesondere der Geflügel- und Schweinezucht, werden die gegen Bakterien wirkenden Mittel nahezu routinemäßig eingesetzt. Indirekt werden Antibiotikareste außerdem über das Leitungswasser aufgenommen, da sich nicht alle Rückstände beseitigen lassen. Sofern Antibiotika einmal in die Umwelt gelangt sind, sind sie nicht mehr aufzuhalten. Die unvermeidliche Folge ist, dass sich die Bakterien an die beständige kleine Dosis gewöhnen, so dass ihnen nichts mehr anzuhaben ist. Da mittlerweile sogar häufig sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt werden, die eigentlich seltenen Einzelfällen vorbehalten sein sollten, ist das Ausmaß der Folgen noch lange nicht abzusehen.

Kein Heilmittel mit Sonderstatus mehr
Kein Heilmittel mit Sonderstatus mehr

Kein Heilmittel mit Sonderstatus mehr

Laut WHO gibt es immer mehr Patienten mit bakteriellen Infektionen, gegen die keine wirkungsvollen Antibiotika vorhanden sind. In der Europäischen Union sind es jedes Jahr mehr als 25.000 Menschen, die deswegen versterben. Häufig haben sie sich im Krankenhaus mit multiresistenten Keimen infiziert. Weltweit ist sogar für die doppelte Zahl von Menschen eine solche Infektion tödlich. Die Entwicklung zeigt, dass durch Bakterien verursachte Krankheiten wieder zu einer erschreckenden, tödlichen Gefahr geworden sind. Als Antibiotika Anfang des vorigen Jahrhunderts anfingen, eine Rolle in der Behandlung von Patienten zu spielen, veränderte sich damit die Welt. Die Lebenserwartung stieg rasant an, da bestimmte Krankheiten kein Todesurteil mehr waren. Insbesondere bei Vorliegen einer Meningitis, der bakteriellen Hirnhautentzündung, konnten die meisten Menschen durch Antibiotika gerettet werden. Auch die Kindersterblichkeit ging zurück, da Tuberkulose und Lungenentzündung kein tödliches Risiko mehr darstellten.

Seitdem werden Antibiotika als lebensrettendes Mittel angesehen, denn sie können Bakterien innerhalb von wenigen Tagen vollständig vernichten, sofern diese auf sie ansprechen. Sofern gefährliche Bakterien aber resistent werden, helfen Antibiotika nicht mehr und verlieren ihren Sonderstatus. Tödliche Bakterien können sich mehr und mehr ausbreiten und gleichzeitig verändern. Es müssen immer wieder neue Wirkstoffe entwickelt werden, wobei sich die Forschung jedes Mal über lange Jahre hinzieht.

Ratschläge der WHO ernst nehmen

Die Weltgesundheitsorganisation hat praktizierenden Ärzten dringend empfohlen, bei der Verschreibung von Antibiotika bedächtig vorzugehen. In ihrem diesjährigen Bericht wurden sieben Erreger genannt, deren Resistenz bekannt ist. Jedoch sind noch lange nicht alle Bakterien konkret erfasst, weshalb es in Zukunft entsprechende Meldungen geben soll, um einen Überblick zu haben. Aber auch Patienten können einiges dafür tun, damit sich die Antibiotikaresistenz nicht weiter ausbreitet. Sie sollten im Zweifelsfall ihren Arzt fragen, ob Antibiotika bei ihrer Erkrankung tatsächlich nötig sind bzw. ob feststeht, dass die Infektion durch Bakterien verursacht wurde. Denn eine Entzündung kann auch durch Viren hervorgerufen werden, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Bei einer Bronchitis, Mandel- oder Harnwegsentzündung kann eine Behandlung im Normalfall auch auf sanftere Weise erfolgen, die außerdem die Darmflora schont und weniger Nebenwirkungen nach sich zieht.

Sofern aber eine Antibiotikabehandlung begonnen wurde, sollte diese nicht plötzlich eigenmächtig abgebrochen werden. Denn auch auf diese Weise haben die Bakterien gute Chancen, eine gefährliche Resistenz zu entwickeln. Weiterhin muss das Problem von „Krankenhausinfektionen“ durch verstärkte Hygienemaßnahmen eingeschränkt werden. Resistente Erreger finden sich sehr häufig in Kliniken und Altenheimen, wobei gerade immungeschwächte Menschen dafür besonders empfänglich sind. Um den hierzulande sehr hohen Antibiotikaeinsatz in der Tiermast zu reduzieren, wurde dieses Jahr bereits eine entsprechende Meldepflicht eingeführt. Eine Alternative beim Fleischkauf sind Bio-Erzeugnisse, da bei dieser Form der Tierhaltung Antibiotika seltener sind bzw. nur bei entsprechender Begründung eingesetzt werden dürfen.

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