Wenn Nahrungsmittel krank machen

von Viola Malachowski
Wer sich nach dem Genuss von normalerweise gesunden Lebensmitteln unwohl fühlt und über Probleme klagt, kann unter einer Lebensmittelallergie leiden. Häufig ist der Weg zur Diagnose lang und erfordert eigene Detektivarbeit.
Wenn Nahrungsmittel krank machen

Was sind die Symptome?

Sich nach dem Essen gelegentlich schlechter zu fühlen als zuvor kennt wohl fast jeder. Die Mahlzeit kann zu üppig, zu fett oder zu süß gewesen sein. Fast die Hälfte der Menschen ist sich sogar bewusst darüber, bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Oft unterscheiden sich diese Fälle jedoch von „echten“ Lebensmittelallergien, wovon nur etwa 3 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Etwas mehr Menschen leiden unter einer nachgewiesenen Lebensmittelunverträglichkeit.

Unterscheidung zwischen den Begriffen

Bei der „echten“ Lebensmittelallergie handelt es sich um eine Beteiligung des Immunsystems – genauso wie es auch bei anderen Allergien der Fall ist. Durch den Kontakt des Körpers mit dem Allergie auslösenden Lebensmittel hat mit der Zeit eine Sensibilisierung stattgefunden, die zu der Bildung von Antikörpern geführt hat. Diese Tatsache ist durch ein Blutbild bei Facharzt nachweisbar und trägt zur Diagnose bei. Eine sogenannte Nahrungsmittelunverträglichkeit hebt sich von der Allergie ab. Dazu gehören zum Beispiel Laktoseintoleranz, die durch einen Enzymdefekt ausgelöst wird, sowie Gluten-, Fructose- und Histaminunverträglichkeit.

Eine bestimmte oder unbestimmte Überempfindlichkeit gegenüber Nahrungsmitteln, die nicht auf einer nachweisbaren Allergie beruht, wird gerne auch eine Pseudo-Allergie genannt. Zwar treten dabei ähnliche Symptome auf wie bei der „echten“, das Immunsystem ist aber nicht involviert. Möglich ist eine psychosomatische Reaktion, die beispielsweise aufgrund einer persönlichen Abneigung eintritt. Auch Glutamat (Geschmäcksverstärker) oder bestimmte Zusatzstoffe können zu Überempfindlichkeiten führen.

Symptome einer Lebensmittelallergie

Lebensmittelallergiker leiden nach dem Verzehr des Allergie auslösenden Nahrungsmittels unter Symptomen an Haut und Schleimhaut. Die Reaktionen können sofort auftreten oder innerhalb von etwa zwei Stunden nach dem Lebensmittelkontakt. Es können Rötungen, Quaddeln und Juckreiz auftreten, ebenso Schwellungen im Mund- und Rachenraum oder Bindehautreizungen. Hinzu kommen häufig Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel oder Kopfschmerzen. In schweren Fällen kann es sogar zu Fieber, Atembeschwerden oder einem allergischen Schock kommen, der lebensbedrohlich sein kann. Kleinste Mengen des Allergie auslösenden Lebensmittels reichen allgemein aus, um die Symptome auszulösen. Da geringe Mengen nicht auf der Zutatenliste erscheinen müssen, ist es für Allergiker kaum möglich, auswärts zu essen.

Die Diagnose erfordert Detektivarbeit
Die Diagnose erfordert Detektivarbeit

Kinder besonders häufig betroffen

Säuglinge und Kleinkinder sind besonders häufig von Lebensmittelallergien betroffen – mehr noch als von anderen Allergien. Aus diesen Grund sollte die Beikost langsam und schrittweise eingeführt werden. Insbesondere Eltern, die an einer Allergie (auch Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma kommen in Frage) leiden, sollten als Allergie auslösend eingestufte Lebensmittel in den ersten Lebensjahren möglichst vermeiden. Wie Studien belegt haben, können Lebensmittelallergien in manchen Fällen bis zum Schulalter von alleine wieder verschwinden. Besonders häufig ist dies der Fall bei einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß. Am häufigsten bestehen Allergien gegen Weizen, Nüsse, Soja, Eier oder Milchprodukte.

Generell können Lebensmittelallergien in jedem Alter neu auftreten. Besonders ältere Menschen sind – genauso wie Kinder – überdurchschnittlich oft davon betroffen. Es wird angenommen, dass dies mit der Eiweißverdauung zusammenhängt. Auch wer unter einer Pollenallergie leidet, verträgt besonders häufig aufgrund einer Kreuzreaktion bestimmte Lebensmittel nicht. Wenn eine Neurodermitis vorliegt, können auch hier bestimmte Lebensmittel zu einer Verschlimmerung führen.

Die Suche nach den Auslösern ist nicht immer einfach

Je schneller und stärker die allergische Reaktion eintritt, desto eindeutiger ist allgemein der Auslöser festzustellen. Ansonsten ist häufig viel Ausdauer gefragt, bis der eigentliche Auslöser gefunden wird. Manche Menschen leiden jahrelang an Beschwerden, die jedoch vom Arzt nicht mit einer Lebensmittelallergie in Verbindung gebracht werden. Ein Termin beim Allergologen kann dabei helfen, zu einer Diagnose zu kommen.

Anhand bereits gebildeter IgE-Antikörper im Blut und einem zusätzlichen Pricktest kann vom Arzt herausgefunden werden, welche Lebensmittel die Ursache für die Beschwerden sind. Um sicherzugehen, wird danach meist noch eine sogenannte Auslassungsdiät empfohlen, bei der für einige Wochen jeweils auf den vermuteten Auslöser verzichtet wird. Danach wird durch einen Provokationstest versucht, eindeutige Beweise für die Lebensmittelallergie zu finden. Auch ein Essenstagebuch kann dabei helfen, der Allergie auf die Spur zu kommen.

Von Verzicht bis zur Immuntherapie

Ist der Auslöser in Form eines oder mehrerer Lebensmittel erst einmal festgestellt, müssen die Betroffenen ihr Leben gründlich umstellen, um fortan beschwerdefrei leben bzw. essen zu können. Denn nur der Verzicht auf die entsprechenden Nahrungsmittel kann zu einer Befreiung von den unangenehmen Beschwerden führen. Die Umstellung kann mehr oder weniger schwerfallen – je nachdem wie die Gewohnheiten zuvor waren und welche Bedeutung der Allergieauslöser im normalen Alltag hat. Bei leichteren Symptomen kann ein Antihistaminikum eingesetzt werden. In schweren Fällen, z. B. Asthma, sollten entsprechende Sprays zum Inhalieren, Kortisonmittel oder Notfallspritzen immer für den Fall der Fälle mitgeführt werden. Eine Immuntherapie kommt dagegen bei Kreuzreaktionen in Frage, bei denen beispielsweise eine Allergie gegen Haselnüsse oder Äpfel besteht.

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