Impfen - kleiner Pieks mit weitreichenden Folgen

von Viola Malachowski
Krankheiten wie Pocken oder Kinderlähmung sind in Europa heute kein Thema mehr – dank flächendeckendem Impfschutz. Leider gibt es in anderen Teilen der Welt noch immer keinen solchen Schutz vor gefährlichen Krankheiten. Hierzulande gibt es zwar die Voraussetzungen und das Angebot, jedoch keine Impfpflicht.
Impfen - kleiner Pieks mit weitreichenden Folgen

So wird der empfohlene systematische Impfplan nicht immer eingehalten. Nicht zu übersehen ist, dass sich in Deutschland eine gewisse Impfmüdigkeit breit macht. Auch gibt es bei Eltern die Angst vor folgenreichen Nebenwirkungen, die vergleichsweise selten vorkommen.

Durch Impfungen, die Kindern bereits ab dem Säuglingsalter an verabreicht werden, konnten glücklicherweise viele Krankheiten ausgerottet werden, die in früheren Zeiten eine Bedrohung darstellten. Die WHO geht davon aus, dass durch Impfschutz jedes Jahr Millionen Menschen vor dem Tod gerettet werden. Trotzdem ist das Thema hierzulande mit Unsicherheit belastet, denn die Angst vor Nebenwirkungen schleicht sich bei Eltern leicht ein. Durch ausreichend Aufklärung sollte dafür gesorgt werden, dass eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen werden kann.

Bewusste Bildung von Antikörpern

Bei Impfungen werden Krankheitserreger (Bakterien oder Viren) entweder in abgeschwächter oder abgetöteter Form per Spritze in den Körper injiziert. In Einzelfällen gibt es auch die Schluckimpfung. Sobald die jeweiligen Erreger in den Körper gelangt sind, findet automatisch die gewollte Immunreaktion statt, wobei entsprechende Abwehrstoffe bzw. Antikörper produziert werden. Sofern ein geimpfter Mensch mit dem Krankheitserreger in Kontakt kommt, kann dieser dem Immunsystem dann nichts mehr anhaben. In vielen Fällen bricht die Krankheit, gegen die geimpft wurde, nicht mehr aus. Ist dies doch der Fall, so verläuft sie harmloser als ohne Impfung. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Impfungen in regelmäßigen, vorgeschriebenen Zeiträumen wiederholt werden. Wenn ein Kind zur Schule kommt, hat es die meisten Impfungen bereits hinter sich. Allerdings sollten auch Erwachsene alle paar Jahre einen Blick in ihren Impfpass werfen, da selbst in ihrem Alter gewisse Impfungen wiederholt werden sollten. Vor Fernreisen ist ein noch speziellerer Schutz nötig, über den jeweils der Arzt aufklären kann.

Gefahren ausgerottet geglaubter Krankheiten

Damit eine Krankheit keine Gefahr mehr darstellt, wird von der Faustregel ausgegangen, dass ca. 95 Prozent der Menschen dagegen geimpft sein müssen. Das allgemeine Ansteckungsrisiko ist dann nicht mehr so groß, dass eine Ausbreitung erfolgen kann. Viele Krankheiten, die lebenslange Folgen haben oder tödlich sein können, gelten heute zumindest in Europa durch Impfungen als ausgerottet – beispielsweise Polio, Diphtherie und Pocken. Dafür gibt es insbesondere in Großstädten ab und zu Meldungen von sich häufenden Masernfällen. Insgesamt sind die Zahlen der an Masern erkrankten Kinder und zu einem großen Teil auch Erwachsenen in den letzten Jahren gestiegen – im letzten Jahr waren es 1775 Personen. Die Krankheit wird durch Tröpfchen übertragen und ist hochansteckend. Im schlimmsten Fall können Komplikationen wie Gehirn- oder Lungenentzündung auftreten. Zwei Kinder sin d in den letzten Jahren sogar an den Folgen von Masern gestorben.

Wie Masern wird auch Keuchhusten gerne als harmlose Kinderkrankheit abgetan. Jedoch können auch hier schwere Komplikationen wie Lungenentzündung oder Atemstillstand auftreten. Besonders bei Babys kann Keuchhusten einen schwereren Verlauf nehmen. Experten warnen in letzter Zeit, dass sich die ausgerottet geglaubte Krankheit Polio (Kinderlähmung) hierzulande ausbreiten könnte. Ein Grund dafür ist neben der Impfmüdigkeit der Deutschen auch die Globalisierung, denn in anderen Teilen der Welt ist die gefährliche Krankheit noch immer ein Thema.

Ohne Impfpflicht haben Eltern die Wahl

An der Frage, ob eine allgemeine Impfpflicht eingeführt werden sollte, scheiden sich die Geister. Nicht nur Politiker streiten sich zeitweise darüber, sondern auch Eltern auf Spielplätzen. Theoretisch kann das Infektionsschutzgesetz eine Pflicht vorsehen, sofern das Risiko einer Krankheitsausbreitung besteht. Da in Deutschland seit 1976, als die Pockenimpfpflicht aufhoben wurde, keine Impfpflicht mehr besteht, haben derzeit alle Eltern die Wahl, ob sie ihr Kind impfen lassen oder nicht. Helfen können bei dieser Entscheidung lediglich die gültigen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und die ganz persönliche Erwägung der Vor- und Nachteile. Die allermeisten Kinder in Deutschland sind gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung geimpft. Anders sieht es bereits bei Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Hepatitis-B aus, wogegen die Impfung ebenso empfohlen wird. Ein Impfschutz ist daneben auch gegen Rotaviren, Windpocken, Grippe und einige andere Krankheiten möglich, die im Gegensatz zu anderen relativ harmlos sind. Eltern sollten zwecks Entscheidung mit ihrem Kinderarzt beraten sowie die Risiken und den Allgemeinzustand ihres Kindes einschätzen.

Impfmüdigkeit und Angst vor Nebenwirkungen

Die Gründe für die steigende Impfmüdigkeit in Deutschland sind unterschiedlicher Natur. So gibt es Eltern, die die Impftermine im hektischen Familienalltag schlichtweg vergessen. Anderen widerstrebt es, bereits sehr kleine Säuglinge durch eine Sechsfach-Impfung abrupt mit Erregern zu konfrontieren, denen das noch reifende Immunsystem vielleicht noch nicht gewachsen sein könnte.

Mögliche Nebenwirkungen können für kritische Eltern ein Grund dafür sein, ihr Kind nicht impfen zu lassen. Dabei sind in den allermeisten Fällen die Nebenwirkungen deutlich harmloser als beispielsweise bei einer Maserninfektion. Bekannt ist vielen erfahrenen Eltern, dass sich das Kind nach einer Impfung unwohl fühlt, auch mit Hautrötungen oder erhöhter Temperatur muss gerechnet werden. Es bleibt jedoch festzustellen, dass die Folgen von unterlassenen Schutzimpfungen im schlimmsten Fall schwere Erkrankungen und auch bleibende Schäden zur Folge haben können.

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