Organspende - ein Thema für uns alle

von Viola Malachowski
Das Thema Organ- und Gewebespende ist sehr sensibel – nicht nur wenn im Ernstfall die Angehörigen darüber entscheiden müssen. Wer mit einem Organspenderausweis vorsorgt, muss niemanden belasten und kann außerdem sicher sein, dass sein freier Wille respektiert wird.
Organspende - ein Thema für uns alle

Transplantationen können Leben retten, jedoch stehen mehr Patienten auf der Warteliste als es Spender gibt. Besonders Nieren werden häufig benötigt, aber auch andere Organe und Gewebe, die außer bei der Lebensspende nur beim Hirntodeintritt transplantiert werden können.

Über 10.000 Menschen warten hierzulande dringend auf ein Spenderorgan - am häufigsten ist es die Niere. Demgegenüber stehen jedoch zu wenige Spender, die nur etwa ein Drittel der eigentlich benötigten Organanzahl ausmachen. Aber nicht nur Organe wie Niere, Herz oder Lunge können gespendet werden, sondern auch Gewebe, das sich an vielen Stellen des Körpers befindet. Neben der Transplantation nach dem festgestellten Hirntod gibt es außerdem die sogenannte Lebendspende.

Immer weniger Organspender

Im letzten Jahr spendeten weniger als 10.000 Menschen Organe, womit die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren immer niedriger geworden ist. Nicht nur diesbezügliche Skandale haben das Vertrauen potentieller Spender getrübt. Häufig ist es auch einfach Unkenntnis über das Prozedere, das bei Lebzeiten nötig ist, um sich zu einer Organ- oder Gewebespende bereitzuerklären. Immerhin tragen die wenigsten Menschen einen Organspenderausweis bei sich, mit dem der eigene Wille frei bekundet werden kann, bevor im Ernstfall die Angehörigen diese schwierige Entscheidung treffen müssen. 2013 hatte nur eine von zehn Personen einen Organspenderausweis bei sich bzw. eine sogenannte Patientenverfügung unterschrieben. Bei den meisten tatsächlichen Spendern haben sich die Angehörigen für die Organspende entschieden. Nicht immer ist es für sie einfach zu wissen, was der Verwandte, bei dem der Hirntod eingetreten ist, selbst gewünscht hätte.

Hirntod ist Voraussetzung für die Spende

Wenig geeignete Spender gibt es auch deshalb, weil der Hirntod Voraussetzung für eine Organspende (mit Ausnahme der sogenannten Lebendspende) ist. Der Hirntod wird so definiert, dass in diesem Zustand die menschlichen Gehirnfunktionen bereits erloschen sind. Das Herz-Kreislauf-System wird dabei noch maschinell aufrechterhalten. Obwohl jedes Jahr ca. 400.000 Patienten in Kliniken versterben, kommen davon nur sehr wenige als Organspender in Frage. Denn dafür muss der Hirntod vor dem Stillstand des Herzens eintreten und nicht umgekehrt, was in den allermeisten Fällen jedoch Realität ist.

Sonstige Voraussetzungen

Das Alter der spendenden Person ist unerheblich, jedoch nicht der allgemeine Gesundheitszustand. Abgesehen von aktuellen Krebserkrankungen und HIV liegt es jedoch im individuellen Ermessen der Ärzte, ob eine Organspende in Frage kommt. Auf dem Organspenderausweis sollten deshalb auch Vorerkrankungen notiert werden, damit sich die Ärzte ein genaues Bild machen können. Eine gesonderte Untersuchung ist jedoch prinzipiell nicht notwendig, um sich beizeiten zur Spende bereitzuerklären. Ohnehin werden bei einem potentiellen hirntoten Spender noch spezielle Untersuchungen durchgeführt, um eine erfolgreiche Transplantation zu gewährleisten. Denn die für den anderen Patienten lebensrettenden Organe oder Gewebe müssen voll funktionsfähig sein. Bei der Spende von Bändern und Sehnen gibt es deshalb eine Altersgrenze von 65 Jahren. Auch Kinder können als Spender in Frage kommen, worüber die Eltern als Angehörige entscheiden. Ab 16 Jahren dürfen Jugendliche dann eine eigene Entscheidung treffen, jedoch bereits ab dem 14. Geburtstag der Entnahme ihrer Organe widersprechen.

Besonderheit Lebendspende

Nieren oder Leberteile können auch zu Lebzeiten von einem Menschen zum anderen transplantiert werden. Denn ein Mensch, der ansonsten gesund ist, kann durchaus eine der zwei normalerweise vorhandenen Nieren entbehren, ohne Nachteile zu erleiden. Es sind dafür jedoch nur volljährige Spender zugelassen, die über das Thema ausreichend aufgeklärt wurden und ihre Entscheidung eigenmächtig getroffen haben. In anderen Ländern der Welt ist es auch möglich, Teile der Bauchspeicheldrüse, der Lunge oder des Dünndarms in Form einer Lebensspende zu spenden. Denn die medizinische Wissenschaft schreitet immer mehr voran und macht vieles möglich, was früher noch undenkbar war.

Transplantationen verlängern oder verbessern das Leben
Transplantationen verlängern oder verbessern das Leben

Transplantationen verlängern oder verbessern das Leben

Da eine Organtransplantation immer einen riskanten Eingriff darstellt, wird sie nur dann praktiziert, wenn es um Leben oder Tod geht. Das heißt, es muss eine lebensbedrohende Krankheit vorliegen, die nur mit einem gesunden Spenderorgan nicht tödlich verlaufen muss. In vielen Fällen können Patienten, bei denen der Eingriff gelungen ist, danach ein nahezu normales Leben führen. Bei anderen Transplantationen wie z. B. der Augenhornhaut oder der Bauchspeicheldrüse geht es zwar nicht um eine akute Lebensgefahr, aber um eine mögliche Verbesserung der Lebensqualität und der Reduzierung des Risikos für Folgeerkrankungen. Bei Diabetikern, die selbst kein Insulin bilden können und es daher spritzen müssen, besteht z. B. die Gefahr, dass irgendwann Organe oder Blutgefäße geschädigt werden. Wird ihnen eine gesunde Bauchspeicheldrüse implantiert, so können sie ein unbeeinträchtigtes Leben führen. Auch eine Transplantation der Augenhornhaut kann den Betroffenen, deren Sehkraft durch Schädigung oder Trübung der Hornhaut nicht mehr vorhanden ist, zu einem neuen Lebensgefühl verhelfen. Denn die Augenhornhaut eines Spenders schenkt ihnen wieder neue Sehkraft.

Wichtiger Beleg: Organspenderausweis

Viele Menschen haben mehr oder weniger eine gefühlsmäßige Ansicht dazu, ob sie im Falle eines Hirntods Organe oder Gewebe spenden möchten oder nicht. Nur die wenigsten tragen jedoch einen ausgefüllten Organspenderausweis bei sich, der Ärzte klar über ihren Willen informiert. Den Ausweis hatten die Krankenkassen bereits Ende 2012 automatisch ihren Versicherten übersandt, so dass die Erklärung unkompliziert und schnell erfolgen kann. Wer weder einen schriftlichen Beleg über seinen Willen aufweisen kann noch jemals mit seiner Familie über die Frage der Organ- und Gewebespende gesprochen hat, kann nicht sicher sein, wie diese im Notfall entscheiden. Denn es sind im Ernstfall die nächsten Angehörigen, die über dieses Thema entscheiden müssen, sofern es zum Hirntod vor einem Herzstillstand gekommen ist. Insbesondere um es ihnen nicht noch schwerer zu machen, sollte jeder einen Organspenderausweis bei sich tragen.

Nicht nur die Bereitschaft zu einer Organ- oder Gewebespende kann auf dem Ausweis übrigens deutlich gemacht werden, sondern auch eine Ablehnung. Außerdem ist es möglich, die Spende auf bestimmte genannte Organe bzw. Gewebe zu beschränken. Auch ist der Willen, die der Organspenderausweis bezeugt, einmal niedergeschrieben, nicht unabänderbar. Wer seine Meinung ändert, kann jederzeit einfach einen neuen Ausweis ausfüllen und den vorherigen verzichten. Alternativ kann der Wunsch, Organe bzw. Gewebe zu spenden, auch formlos auf Papier niedergeschrieben werden. Dieses sollte aber so hinterlegt werden, dass es Angehörige im Notfall schnell bei der Hand haben. Auch die sogenannte Patientenverfügung kann die Entscheidung für oder gegen eine Organspende beinhalten, während das Testament für die Bekundung dieses Willens ungeeignet ist.

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